Vor ziemlich genau einem Jahr war ich übers Wochenende im Kloster. Genauer gesagt im Schweigekloster in Plankstetten. Kurz davor war mir irgendwie alles zu viel und so vieles unklar, so dass ich eine kleine Auszeit für mich und meinen Kopf brauchte. Als mir eine liebe Freundin davon erzählte, dass sie für ein paar Tage dort war, um wieder auf andere Gedanken zu kommen, war ich sofort begeistert und habe mir gleich am Abend noch ein Zimmer übers Wochenende gebucht.
Ich hatte statt vielen Klamotten ein paar Fragen im Gepäck. Ich hatte mir vorgenommen, nicht früher heimzufahren, bis ich mir diese beantwortet habe. Die einzelnen Fragen selbst möchte ich jetzt nicht teilen hier, ich werde dir aber von den Antworten und Ergebnissen berichten. In dem Jahr, seit ich mir vorgenommen habe, an diesem Wochenende einfach mal nichts zu sagen, ist nämlich rückblickend ganz schön viel passiert. Meine Intention war, nach dem Wochenende nur mit Antworten nach Hause zu fahren – die Fragen dort zu lassen bzw. aufgelöst zu haben. Die Fragen, wie ich glücklich weiterleben kann, was ich selbst tun bzw. lassen kann, um mein Wohl und meinen Gemütszustand immer weniger von anderen abhängig zu machen. Ich wollte mich noch mehr Menschen zugehörig fühlen, die so ähnlich denken und handeln wie ich (nein, keine Sekte oder so).
Einfach mehr Gleichgesinnte, Verbündete, denen man sich nicht erklären muss. Die auch wachsen wollen, an sich und Zielen bzw. Themen arbeiten wollen. Und ich wollte das E-Bike-Fahren, das ich so liebe und mit meinem Freund teile, mit noch mehr Menschen teilen. Ich wollte eine Gruppe, mit der man Ausflüge machen und coole Erlebnisse teilen kann. Und ich wollte meine eigenen Themen aufarbeiten, kurz zuvor bin ich in einem Podcast auf das Buch von Stefanie Stahl Das Kind in dir muss Heimat finden* gestoßen und habe es begeistert gelesen. So tief müssen wir jetzt hier nicht drauf eingehen, keine Angst.
Es sei nur soviel gesagt, dass bei uns allen scheinbar in der Kindheit so einiges begründet ist und seinen Ursprung hat. Diese Erkenntnisse und einige Erlebnisse, die ich scheinbar über 40 Jahre äußerst erfolgreich verdrängt habe, brachten viele Fragen mit sich. Bedürfnisse kamen dort in dem Buch zur Sprache, die ich – scheinbar aus pragmatischen Gründen – gleich mit den Erinnerungen zusammen tief in mir vergraben habe. Genau eben diesen Bedürfnissen wollte ich mich an diesem Wochenende stellen, wollte klären, ob / wie ich sie überhaupt lebe und was überhaupt mein Problem damit ist.
Nach Stefanie Stahl haben Menschen vier Grundbedürfnisse, deren Erfüllung entscheidend für psychische Gesundheit und ein starkes Selbstwertgefühl ist:
- Bindung
- Autonomie/Kontrolle
- Anerkennung
- Lustgewinn/Unlustvermeidung
Der Schlüssel ist lt. Stefanie Stahl – vermutlich wie so oft im Leben auf so vielen Ebenen – eine gesunde Balance zwischen Nähe (Bindung) und Freiraum (Autonomie).
Ich habe mir also alle einzelnen Bedürfnisse hergenommen und auf mein Leben übertragen. Wo lebe ich sie, wo lebe ich sie (noch) nicht, wie kann ich v.a. auch selbst dafür sorgen, dass meine Bedürfnisse erfüllt werden, ohne auf äußere Einflüsse und Faktoren angewiesen zu sein. Jede und jeder hat sein eigenes Leben, ist mit sich und seinen Bedürfnissen und Themen beschäftigt. Das war äußerst spannend, was diese Frage nach den Bedürfnissen mit mir gemacht hat.
Ich habe ja schon geschrieben, dass es ein Schweigekloster ist bzw. man sich dazu entscheiden kann, zu schweigen. Es gibt ja durchaus andere Klosterteilnehmende, die sich unterhalten. Nur ich (und ein paar andere) haben eben bewusst nicht gesprochen. Was sehr befreiend war. Obwohl ich es normalerweise schon sehr liebe, zu sprechen, mich mit Menschen auszutauschen. Aber eben nicht an diesem Wochenende. Da ging es um etwas anderes bzw. um jemand ganz bestimmten. Nämlich um mich.
Und ganz so ruhig war es übrigens nicht, wie die Überschrift vermuten lassen könnte. Ich habe nämlich durchaus gesprochen. Mit mir. Im Wald. An der Altmühl entlang. Im inneren Dialog, im Zwiegespräch. Kleiner Tipp am Rande, falls du das auch einmal vorhaben solltest: Mit sichtbaren Kopfhörern im Ohr wird man für Entgegenkommende scheinbar als Telefonierende wahrgenommen, zumindest bekam ich keine seltsamen Blicke (oder die Spaziergänger sind die Klostergäste einfach gewohnt und schütteln nur innerlich den Kopf, äußerlich lächeln sie alle freundlich).
Außerdem war ich natürlich auch noch in einem schönen Café, wie sollte es anders sein. Da habe ich natürlich auch etwas bestellt. Es ging ja nicht um das strikte Einhalten des Schweigens, sondern um ein In-mich-Kehren. Und das ist voll geglückt! Zum Glück! Voller Leichtigkeit und guter Ideen kam ich nach Hause!
Meine „Ergebnisse“ aus dieser Zeit
- Ich schreibe wieder – deshalb gibt es heute diesen Blog
- Ich habe eine Ausbildung zum Coach begonnen
- Ich habe eine E-Mountain-Bike-Gruppe gegründet


Ich schreibe wieder
Bei all den Fragen kam ich zu dem Entschluss, dass ich zu viel funktionierte und zu wenig von dem machte, was mir gut tat. Meinen Blog und die Website der Aufräumerei habe ich ja ca. 2 Jahre davor aufgelöst, es wurde einfach zu viel, ich hatte keinen Spaß mehr daran. Spaß an dem, was ich in meiner Freizeit mache, finde ich immens wichtig. Siehe: Eine Ode an das Hobby. Wann, wenn nicht in der Freizeit, können wir das tun, was uns gut tut, uns beflügelt, wobei wir die Zeit vergessen, kreativ und im Flow sein können?
Bei all den Notizen, Spaziergängen, beim Weinen und Lachen kam mir dieser Gedanke: Wann mache ich eigentlich DAS, was mir so richtig Spaß macht? Neben der Arbeit und all den Verpflichtungen als Hausfrau und Mama bleibt gefühlt oft zu wenig Zeit. Beim Schreiben bin ich ganz für mich. Fast andächtig sitze ich in schönen Cafés in Nürnberg bei leckerem Kuchen und gutem Kaffee, ein lieb gewonnenes Ritual wird gepflegt, indem ich mit den Airpods im Ohr und der Schreibend glücklich – Playlist schreibe – und zack: sofort ist mein Lächeln angeknippst. Oft weiß ich noch gar nicht, was ich heute schreibe, nur dass etwas ausgedrückt werden möchte.
Es war also klar, dass ich wieder eine Plattform brauche, die mir das schreibende Denken ermöglicht. Block und Stift sind hier leider nicht geeignet, meine Schrift wird nach wenigen Zeilen sowas von unordentlich, dass ich sie selbst kaum noch lesen kann danach. Fiel also direkt weg als Option. Bei der Rückkehr aus dem Kloster habe ich meine liebe Freundin gefragt, ob sie mich bei der Erstellung eines Blogs bzw. eher beim Design und bei all den technischen Herausforderungen unterstützen kann – and here it is. Danke meine liebe S.❤️Ich schreibe endlich wieder und ich kann kaum beschreiben, wie glücklich mich das macht. Als ob etwas lange gestautes endlich wieder frei fließen kann.
Ich habe eine Ausbildung zum Coach begonnen
Bei all den vorhandenen Bedürfnissen ist mir aufgefallen, dass es mir wichtig wurde, mehr von den Menschen in meinem Leben zub haben, die ähnliche Interessen haben wie ich, die sich ebenfalls mit der Persönlichkeitsentwicklung beschäftigen, sich mit philosophischen Fragen auseinandersetzen und wachsen wollen. Genau solche Menschen suchte ich also noch mehr in meinem Leben, da ich diese Themen so sehr liebe, darüber sprechen und schwelgen kann, beim drüber sprechen auf neue Gedanken und Erkenntnisse komme. Es ist wie laut brainstormen.
Dabei fiel mir plötzlich wieder die Ausbildung zum systemisch-integrativen Coach ein, um die ich schon seit ein paar Jahre herumgeschlichen bin, es hat vorher zeitlich einfach nie gepasst. Und dort, Anfang Mai 2025 war es plötzlich sonnenklar, dass ich mit dieser Ausbildung gleich viele meiner Wünsche mit einem „Schlag“ erfüllen kann. Gemeinschaft, mich weiterentwickeln, etwas Neues lernen für meinen dato etwas gelangweilten Kopf und mich nebenbei meinen eigenen Themen aus der Vergangenheit stellen. Anderen Menschen zu helfen, indem ich mein Wissen weitergebe und bei meinen Aufräumcoachings anzuwenden, war übrigens ein netter Nebeneffekt. Bei den Aufräumcoachings (es ist nie nur ausmisten) stieß ich bisweilen an meine Grenzen, da Unordnung und Chaos nur Symptome sind, nie die Ursache. Und wenn ich etwas mag, dann den Ursachen auf den Grund zu gehen. Noch an diesem Wochenende habe ich mich auf der Website nach dem nächsten Ausbildungsstart erkundigt (September 2025) und die Seminarleiterin angeschrieben und um einen Termin zum Kennenlernen gebeten. Wenn ich mich entscheide, bin ich schnell 🙂
Diese Ausbildung läuft also nun seit September 2025 und was soll ich sagen: Sie ist mit das Beste, was ich für mein Leben tun konnte! So viele Learnings über mich, tiefe Erkenntnisse über mein Verhalten, über Gefühle und Muster. Wundervolle Methoden, wie man den „Ursachen“ auf den Grund geht, durfte ich erlernen. Quasi nebenbei habe ich Freundschaften geschlossen, die jetzt schon so tief sind, dass sie mein Herz berühren. In den Übungssessions testen wir die Methoden schließlich an uns selbst, nebenbei werden hier also all unsere (ich hoffe das zumindest) Themen bearbeitet und gelöst. Dabei erfährt man mehr übereinander, als man womöglich je über andere Personen erfährt.
Tief berührend, dieser Punkt Ausbildung hat immens zu ganz vielen Bedürfnissen beigetragen, worüber ich sehr glücklich bin. And the show still goes on…


Ich habe eine E-Mountain-Bike-Gruppe gegründet
Ich habe oben ja kurz schon von meinen Hobby des E-Mountain-Bike-Fahrens geschrieben. Wir (mein Freund und ich) haben E-Bikes zufällig an unserem Lieblingsort Der Heindlhof, an den wir einmal pro Jahr fahren, kennengelernt. Dort kann man E-Bikes ausleihen, das macht in der bergigen Gegend der Oberpfalz auch absolut Sinn. Einige Jahre hintereinander, als wir wieder einmal tolle Touren Richtung Tschechien unternommen haben, haben wir dann beschlossen, uns eigene E-Bikes zu kaufen. Seitdem haben wir wirklich unglaubliche Touren unternommen, die mit Abstand einprägsamste und bemerkenswerteste war wohl die Alpe-Adria-Tour. Solche Glücksgefühle, so eine Freiheit, so wundervolle Landschaften und einfach tolle, unvergessliche Momente habe ich selten erlebt. Und wir fragten uns wieder einmal, weshalb niemand dieses unglaubliche Hobby mit uns teilt. Alle sind angeblich zu jung dafür, „mit 60 Jahren kann ich es mir mal überlegen“.
Ok, ich will hier nicht schimpfen, kann dir aber nur soviel verraten, falls du auch so denkst: Wage es einmal und leihe dir ein E-Bike aus. Fahre in bergiger Gegend, fahre über Stock und Stein und Wurzeln in Wäldern, tobe dich aus, genieße den Fahrtwind und lass dir die Sonne auf den Rücken und auch ins Gesicht scheinen. Der Radius vergrößert sich so sehr, 40 km zu radeln, um schön einen Kaffee trinken zu gehen, sind seitdem keine Seltenheit bei uns.
Dieses Hobby mit jemandem zu teilen, in einer Gruppe diese unglaublichen Erlebnisse zu teilen, war scheinbar ein weiteres Bedürfnis von mir. Das kam heraus bei der ehrlichen Fragestellung, was ich möchte. Eine Recherche ergab, dass es im Internet Foren und Plattformen (für scheinbar alles!) gibt, die Menschen mit unterschiedlichsten Interessen verbindet. Wie cool! Das ging bisher wirklich an mir vorüber. So bin ich auf die Plattform GE – Gemeinsam Erleben (oder wie ein inzwischen lieb gewonnener Radkumpel immer sagt: Gemeinsam Einsam) gestoßen.
Noch am Sonntag Abend habe ich mich dort angemeldet und wie wild gesucht, was es denn in der Umgebung passendes für uns gibt. Zig normale Radgruppen und 1000 andere interessante Veranstaltungen und Gruppen sind mir hier begegnet. Aber das, was ich suchte, war nicht dabei.
Fährt denn keiner ein E-Mountain-Bike wie wir? Nach Rücksprache mit meinem Freund, den ich natürlich mit im Boot haben wollte, haben wir dann spontan selbst eine Gruppe für E-Mountain-Biker in Nürnberg gegründet. Eine sehr verwandte Gruppe, die zumindest auch E-Bike-Touren angeboten hat, ist inzwischen ebenfalls mit im Boot. Die Gruppe hat schnell an Teilnehmenden gewonnen – und was soll ich sagen? Im letzten Jahre hatten wir etliche gemeinsame (nicht einsame) wundervolle Radtouren mit so lieben Menschen, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Gemeinsam durch den Wald zu brettern, alles um mich herum zu vergessen, nur den Wind, die Waldluft zu spüren, immer voller Fokus auf das Hinterrad des Vordermannes bzw. der Vorderfrau und die nächste Wurzel oder Steigung – das macht das Glück fast perfekt. Fast, weil erst die abschließende Einkehr bei Kaffee und Kuchen oder leckerem Essen plus Gespräche über das Erlebte das Glück vollends abrunden! Ich bin so glücklich über diese Gruppe, die Erlebnisse und das Teilen unseres Hobbys.
Und deshalb: Vielleicht gibt es das, was man sucht, noch nicht. Dann muss man sie eben gründen.
Seine Bedürfnisse selbst zu erfüllen, zu erkennen, was fehlt und das nicht einfach so hinzunehmen, ist für mich der größte Gewinn nach diesem Jahr.
Spontan habe ich mich zu Beginn des schreibens vorhin übrigens auf der Website des Klosters umgesehen und überlegt, ob ich nicht wieder einmal so ein Wochenende im Kloster buchen möchte. Mich mir und den offenen Fragen zu widmen, fernab von Haushalt und Co, war magisch. Zuhause ist dann doch immer genug Ablenkung, die war im Kloster definitiv nicht. Stille, für mich sein, mich meinen Gedanken widmen hatte fast meditative Heilung für mich.
Eigentlich war es ganz schön mutig – so im Nachhinein betrachtet. Mich meinen Fragen zu stellen, ohne zu wissen, was passiert. Aber letztlich hatte ich ja genau die richtige Person dabei, die für alle Bedürfnisse Verantwortung übernimmt, immer an meiner Seite ist, der, und nur der ich Rechenschaft „schuldig“ bin – v.a. darüber, wenn ich ihre Bedürfnisse ignoriere. Doch das wird nicht mehr passieren.
Und was ist mir dir? Wärst du der Typ „Schweigekloster“? Oder hättest du überhaupt Lust, dich deinen Fragen ehrlich zu stellen?
Deine Petra
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