Zwischen den Welten

Ich befinde mich gerade zwischen zwei Welten: die eine Welt ist die gewohnte, in der ich nun seit über zehn Jahren lebe. Mich eingerichtet habe, mir erschaffen habe. Mit allen Höhen und Tiefen, Gewohnheiten, lieb gewonnenen Ritualen, mit den Menschen in meinem Umfeld, dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, zu Ärzten uvm.

Die andere Welt ist die neue, noch nicht greifbare. Aber dennoch unaufhaltsam näher rückende… Ende Oktober 2026 ziehe ich um. In mein neues Leben, wenn man das so pathetisch sagen will (ich will!). Neue Wege, neue Gewohnheiten bzw. evtl. „alte“ Gewohnheiten in neuer Umgebung, ein neues Umfeld zu dem bekannten dazu. Alles neu!

Umzug als große Chance

Um neu anzufangen, ist ein Umzug wohl DIE Chance schlechthin. Bei zahlreichen Aufräumcoachings ging es in den letzten Jahren genau um das: Was nimmt man mit in ein neues Leben aka in eine neue Wohnung? Wie will man leben, sich umgeben, was darf Teil davon sein, was nicht mehr? Was will man zurücklassen, auf gar keinen Fall mit in Kartons packen? Schließlich sind diese Kisten dann zu schleppen, zu verstauen, auszuräumen. Der Moment des Ausmistens ist also wohl nie so passend wie jetzt, wo all das direkt vor mir liegt.

Fällt mir das leicht? Ich würde sagen: JA mit einem kleinen nein. So viele Frauen habe ich inzwischen beim Ausmisten begleitet (übrigens über 100!), dass ich guten Gewissens sagen kann, dass es letztlich immer um Entscheidungen geht, die getroffen werden müssen. Um ein Bauchgefühl, gepaart mit dem Verstand, die miteinander – oder oft auch gegeneinander – abwägen, was später noch wichtig und nötig ist, und was eben nicht mehr.

Also die Chance, um

  • nicht Genutztes
  • unliebsame Dinge
  • Schrankleichen
  • Schlechtes-Gewissen-Bringer
  • Rumstehchen
  • uvm.

zu entsorgen.

Im Herzen Minimalistin

Und auch die Chance dazu, mich als Minimalistin, die ich im Grunde meines Herzens bin, auszuleben. Viel Platz birgt nämlich leider auch die Gefahr, Platz füllen zu wollen. Vakuum zieht an. Wer hat schließlich gerne einen leeren Raum, wo Wohnraum so teuer ist wie nie zuvor? Leere Schrankfächer – Fehlanzeige. Umgestalten ist schwieriger als neu gestalten. Neu einrichten und gestalten geht für mich einfach besser, wenn sowohl die Räume als auch die Wände leer sind. Quasi leere Seiten in meinem Notizbuch des Lebens, die blank sind, auf denen man sich austoben kann. Erste feine Pinselstriche zeichnen sich schon ab.

Zurück zu den Räumen: Umgeben nur noch von Lieblingsteilen, die eigenhändig von mir (und fleißigen Helfern) in den 3. Stock geschleppt werden! Jedes Teil wird wohlüberlegt eingepackt! Minimalismus ist nach meiner Philosophie eine Lebenseinstellung bzw. die Kunst, mich vom Zuviel zu verabschieden, ohne mir selbst etwas wegzunehmen. Ich möchte nicht weniger haben, sondern weniger müssen, weniger suchen, weniger verwalten und weniger Ballast mit mir herumtragen. Denn wenn das Unwichtige leiser wird, bekommt das Wichtige wieder mehr Raum. Und das kam gefühlt in den letzten Jahren zu kurz.

Weshalb ich dann oben JA mit einem kleinen nein geschrieben habe? Weil es eine Entscheidungsmüdigkeit ist, die mich inzwischen befallen hat. Weil es nicht nur ums Ausmisten geht, hier gibt es natürlich ein ganz klares JAAAAA von meiner Seite! Seit Jahren erprobte Strategien im Ausmisten, viele Fragen und Antworten dazu im Kopf

  • Wie möchte ich zukünftig leben? Passt der Gegenstand dazu?
  • Will ich dieses und auch jenes wirklich um mich haben?
  • Gibt es mir ein gutes Gefühl? Oder macht es mir gar ein schlechtes Gewissen?
  • Macht es mich glücklich? Wenn nicht, kann es weg
  • Würde ich es neu kaufen, wenn es weg wäre?
  • Habe ich es in den letzten Monaten genutzt/getragen?

Natürlich schießen mir nicht alle Fragen gleichzeitig durch den Kopf beim Ausmisten, es ist tatsächlich eher die Einstellung im Kopf, mit der ich an die Sache rangehe. Beim Einpacken in Kartons geht es gerade sogar viel weniger um die Dinge, die ich nicht mehr möchte, sondern vielmehr um DAS, was ich möchte, was mich glücklich macht, was ich nutze, was ich um mich haben darf, ob ich es schön finde. Also den Fokus auf das zu richten, was ich in meinem Leben haben und behalten möchte. Nicht auf das Ausmisten oder gar die Frage, wohin dann damit.

Das ist inzwischen sogar zu einer Lebenseinstellung geworden!

Focus on the good!

Und was ist nun mit dem kleinen Nein gemeint?

Die zahlreichen Entscheidungen drumherum. Nicht nur die Gegenstände, die auszumisten sind. Nebenbei steht mein Hausverkauf an, dazu der komplette Neustart nach zehn wundervollen Jahren (danke an dieser Stelle für meine wundervollen Nachbar:innen! Ihr werdet mir sowas von fehlen!). Es ist, als ob ich mich mit Ende 40 noch einmal ganz neu erfinden darf! Genau das ist übrigens auch einer (der zahlreichen) Gründe, weshalb der Hausverkauf ansteht. Es geht gefühlt in eine neue Ära. Was mich unbändig freut, aber auch ziemlich verunsichert. Gewohntes Terrain verlassen, auf zu neuen Ufern. Neu starten, neue Menschen in mein Leben lassen. Neue Räume zu unserem Zuhause und Mittelpunkt zu machen. Neue Routinen erschaffen, mich quasi ganz neu erfinden – wie oben schon geschrieben! Wann hat man schon die Chance dazu? Eigentlich ja jeden Tag, nur nutzt man das ja vermutlich kaum. Wir alle sind schließlich Gewohnheitstiere, auch wer das abstreiten sollte. Und Gewohnheiten sind wichtig für unser Überleben. Ich möchte nicht täglich neu entscheiden müssen, ob ich jetzt Zähne putze/dusche/frühstücke/Wäsche wasche, welchen Weg ich in die Arbeit nehme bzw. ob ich überhaupt gehe uvm.

Ein neuer Ort birgt viel Potential für einen Neuanfang – weil der Ort ein anderer ist. Weil sich eingeschlichene Gewohnheiten mit bestimmten Orten und Wegen und anderen Gewohnheiten verändern dürfen – und hier sprechen wir jetzt von den eher schlechten (weshalb so viele Menschen partout gegen Gewohnheiten sind, wenn man davon spricht. Gute Gewohnheiten sind der Gamechanger überhaupt, doch dazu an anderer Stelle mehr). Weil man wieder neu entscheiden kann, wie man welche Dinge tut. Was zugegebenermaßen mit eingefahrenen Gewohnheiten wirklich schwerer ist – aber auch kein Ding der Unmöglichkeit. Falls du dich mit dem Thema näher beschäftigen magst (bevor ich einen Blogartikel dazu schreibe), kann ich dir dieses Buch von James Clear hier wärmstens empfehlen: Die 1%-Methode – Minimale Veränderung, maximale Wirkung: Mit kleinen Gewohnheiten jedes Ziel erreichen – Mit Micro Habits zum Erfolg* Das Buch ist m. E. das Standardwerk, um sich mit dem Thema Gewohnheiten vertraut zu machen.

Vermutlich ist es wohl der große Respekt vor der eignen Courage! Dass das hier wirklich alles passiert. Dass ich mein Elternhaus verkaufe, in dem ich über 30 Jahre gelebt habe. Und nun einen Ort für mein erwachsenes Ich erschaffe. Vieles hinter mir lasse, was ja auch schön war. In dem mein Sohn und ich die letzten 10 Jahre eine wundervolle Zeit hatten, mit vielen lieben Menschen, die ein- und ausgegangen sind. Mit Ritualen und Traditionen, die sich nun verändern dürfen.

Auf zu neuen Ufern! Kartons packen, Haus verkaufen, Wohnung einrichten, neu erfinden, wieder Zeit für die Dinge haben, die mir wichtig sind – frei von Ballast, Verpflichtungen & Sorgen…

Wer kann denn schon mit 48 neu starten? Meine Schwester ist mit nur 48 Jahren verstorben – diese Zahl ist für mich wahrscheinlicher auch deshalb so eine besonders wichtige! Die nach einem Neuanfang schreit, wenn Veränderung nötig ist.

Alles neu macht der November 🙂

Viele Grüße und bis bald

Deine Petra


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