Meist weiß man nicht, wann man Dinge das letzte Mal tut. Wann man seine Eltern das letzte Mal umarmt, wann man das Kind das letzte Mal ins Bett bringen und eine Geschichte vorlesen darf, bevor es alleine geht und Geschichte vorgelesen bekommen nicht mehr so cool ist; wann man einen Weg das letzte Mal geht, wann man das letzte Mal Kästchen springt oder Seil hüpft oder oder oder.

In diesem Fall weiß ich ziemlich genau, dass ich manche Dinge hier in meinem Haus noch an maximal 47 Tagen tun werde. Weshalb ich das so genau weiß? Weil ich in 47 Tagen umziehe. Es ist also klar, dass ich spätestens am 31.10.2026 bestimmte Dinge zum letzten Mal hier in meinem Haus tun werde.

Ich ziehe von meinem Elternhaus aus in eine neue Wohnung, weil ich das so entschieden habe. Die Hintergründe sind eine längere Geschichte und werden sicher an anderer Stelle einmal erzählt. Aber heute so viel dazu: ich weiß also ziemlich genau, dass ich noch an maximal 47 Tagen von hier aus meinen Arbeitsweg antreten werde (eher deutlich weniger abzüglich der Wochenenden), dass ich 47 mal früh in meinem Schlafzimmer aufwachen werde, aufstehe, ins Bad gehe und dusche, Zähne putze und mich für den Tag vorbereite, um dann maximal 47 mal ein Frühstück zuzubereiten, die Katze zu füttern, zu lüften und den Tag herein zu lassen.

Ich mag dieses langsame Abschiednehmen auf Raten gerade sehr. Weiß ich doch, dass ich nur noch 47 Tagen mein Frühstück genauso an diesem Ort und mit diesem Blick aus dem Fenster zubereiten werde.

Lieblingsfrühstück

So oft wissen wir das nicht. Es mag nach außen vielleicht etwas selbstquälerisch erscheinen, diese letzten Male nun bewusst zu genießen. Für mich hat es aber eher eine heilsame Wirkung, weil ich ja weiß, auf was ich mich einlasse und was auf mich zukommt. Ich kann es also zelebrieren, Dinge die letzten Male zu tun. Natürlich auch in dem Bewusstsein, dass ich sie in der neuen Wohnung in ähnlicher Art und Weise wieder tun werde. Das ist vermutlich der Vorteil von solchen banalen Handgriffen im Vergleich zu Abschieden, die mit Menschen zutun haben. Im Nachhinein gäbe ich so einiges dafür, noch einmal mit meinen Eltern zu frühstücken, mit meiner Schwester zu telefonieren, ein Familienfest mit allen zu feiern und das Leben zu genießen. Diese letzten Male haben also irgendwie auch eine therapeutische Bedeutung für mich, weil sie doch zeigen, dass das Leben endlich und kostbar ist. Vielleicht mag dir das jetzt etwas zu philosophisch erscheinen, von einem Frühstück beginnend auf das Leben blickend, aber für mich hängt irgendwie alles zusammen..

Langjährige Gewohnheiten

Ich liebe Gewohnheiten, habe mir über all die Jahre sehr viele gute Gewohnheiten angeeignet und in meinem Leben so etabliert, weil ich sie für gut befunden habe. So ziemlich alles daran war sicherlich mindestens ein oder vermutlich sogar mehrmals auf dem Prüfstand, wurde hier und da optimiert, um dann als für mich passende Routine in meinen Alltag integriert zu werden. Ein neues Zuhause wird nun quasi all diese Gewohnheiten von Grund auf verändern. Natürlich werde ich weiterhin in (m)einem Bett schlafen, aufwachen, mich im Bad für den Tag vorbereiten und ein Frühstück zubereiten. Allerdings wird der Ort und dadurch jeder Handgriff ein anderer sein. Andere Wege ins Bad und zum Kleiderschrank (es wird wieder einen Kleiderschrank geben, die seit zehn Jahren hängende Kleiderstange inklusive aller Malm-Kommoden wird so nicht mit in die neue Wohnung umziehen), ein anderer Ausblick aus jedem Fenster, alles ebenerdig in einem Stockwerk (3.), ein anderer Weg zum Fahrrad oder zum Auto, neue Einkaufsmöglichkeiten Cafés um die Ecke, ein Wochenmarkt fußläufig und ein viel kürzerer Weg in die Arbeit wird nun ab November mein neuer Alltag werden.

Und weißt du was? Ich freue mich von ganzem Herzen darauf! All das ist genau das, was ich möchte. Ich möchte neu starten, einen anderen Ort mein Zuhause nennen, neue Gewohnheiten in mein Leben holen, freier von Verpflichtungen und To-Dos, die in meinem Fall ein Eigentum mit sich brachte (Triggerwarnung: dies ist nur meine Meinung und in diesem Fall auf meine persönliche Geschichte zurückzuführen, bitte nimm das nicht persönlich, falls du Wohneigentum besitzt!).

Das große Räumen beginnt

Deswegen bin ich nun seit einigen Tagen im großen Ausmistfieber. Jetzt, wo die Besichtigungen erfolgreich gelaufen sind, erlaube ich es mir nun auch endlich, dass gepackte Kartons voller Gegenstände, die ich mit in die neue Wohnung nehmen werde, herumstehen werden. Und auch, dass es chaotisch aussehen wird, weil Bereiche voller Gegenstände sein werden, die verkauft/verschenkt werden. Davor wollte ich das nicht wirklich, wollte einfach den Charme meines eingerichteten Hauses wahren, um möglichen Käufern den Gesamteindruck meines Hauses zu vermitteln.

Doch damit ist nun Schluss! ☺️

Ab sofort wird strategisch ausgemistet und Zimmer für Zimmer wird das in Kisten verpackt, was mitkommen darf. Fein säuberlich mittels farblichen Klebezettel auf den Kisten, sortiert, was in welchem Raum landen wird. Ich war in meinem Leben schon bei etlichen Umzügen als Umzughelferin dabei und habe für mich beschlossen, dass mein nächster Umzug definitiv strategisch klüger geplant wird. Da ich zeitig dran bin mit dem Ausmisten und dem Verpacken, wird sich der Stress am Schluss (hoffentlich) in Grenzen halten.

Ich werde hier sicher noch einige Male über meinen Loslassprozess berichten, die Themen Ordnung und Minimalismus begleiten mich ja schon seit einigen Jahren. Wann, wenn nicht jetzt in den letzten 47 Tagen habe ich die Chance, mit weniger Ballast in ein neues Leben umzuziehen? Ausmisten im laufenden Betrieb klappt natürlich auch, ein Ziel wie einen Umzug vor Augen zu haben, macht die Sache aber noch einmal viel leichter. Wir Menschen funktionieren nun mal auch gut, wenn es eine Deadline gibt. ich schließe mich da übrigens nicht aus.

Folgende Fragen stellen sich mir nun beim Ausmisten aller Dinge (und ja, es bleibt nicht aus, dass jeder einzelne Gegenstand noch einmal in die Hand genommen und bewertet werden muss):

  • Wenn ich heute neu entscheiden dürfte, würde ich mir diesen Gegenstand in meine Wohnung holen / würde ich den Gegenstand heute noch einmal kaufen?
  • Passt der Gegenstand zu dem Leben, das ich zukünftig führen möchte / zu der Person, die ich in dieser Wohnung sein möchte?
  • Bereitet mir der Gegenstand Freude bzw. hat er einen Nutzen oder emotionalen Wert?

Vor allem die dritte Frage zielt schon sehr auf Marie Konto und ihren Aufräum-Klassiker Magic Cleaning* ab, das Buch, das mich vor zehn Jahren beim Umzug aus der alten Wohnung zurück in mein Elternhaus begleitet hat. Dieses Buch und die Philosophie dahinter hat mich letztlich auch dazu gebracht, Menschen beim Aufräumen und Ordnung machen zu begleiten, weshalb ich mich 2018 nebenbei mit der Aufräumerei als Aufräumcoach selbstständig gemacht habe.

Für die meisten Menschen würde das jetzt wohl puren Stress bedeuten, für mich bedeutet es tatsächlich große Freude, da ich im Herzen einfach Minimalisten bin und immer mehr merke, dass mich Dinge per se nicht glücklich machen. Mit leichtem Gepäck zu reisen, wenige, dafür mir wichtige und bedeutende Dinge um mich zu haben und mich mit Lieblingsdingen zu umgeben, ist schon lange mein großes Ziel. Das „Problem“ an großen Räumen und viel Platz ist ja, dass diese gefüllt werden wollen. Weniger Platz bedeutet deshalb oft auch die Chance, weniger Dinge anzuhäufen. Ich war in zahlreichen großen und weitläufigen Wohnungen und Häusern mit sehr viel Platz und großen Kellerräumen, die zum Teil bis unter die Decke gefüllt waren. Dort gibt es meist keine Not, Dinge wegzuschmeißen oder auszumisten, weil Platz ja immer vorhanden ist. Und der Keller so schön praktisch aus den Augen, aus dem Sinn ist. Eine Unordnung tut hier erst einmal gar nicht weh.

Jedenfalls bleibt nun gewiss, dass ich hier im Haus an maximal 47 Tagen ausmisten werden, bevor der große Umzug in mein neues Leben ansteht.

Stay tuned…

„Aufgeräumte“ Grüße

Petra


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Kommentare

4 Kommentare zu „Noch 47 mal…“

  1. Liebe Petra, ich wünsche Dir noch 47 wunderbare Tage im alten Zuhause und einen angenehmen Umzug.
    Ganz liebe Grüße ☀️

    1. Liebe Silke!

      Herzlichen Dank dafür!

      Alles Liebe
      Petra

  2. Liebe Petra,
    es ist immer wieder schön, deine Gedanken in deinem Block zu lesen. Ich gratuliere dir zu diesem Schritt zur neuen Lebensetappe und wünsche dir wundervolle letzte Tage, die weiterhin mit deiner (Lebens)Freude- aber zum Ende hin sicher auch mit ein wenig Wehmut wegen der Endgültigkeit des Loslassens deines Elternhauses verbunden sein werden.
    Und dann wünsche ich dir einen wundervollen Start im neuen Zuhause mit anderen schönen Gewohnheiten.
    Nimm uns gern weiterhin mit!

    Liebe Grüße
    Annett

    1. Liebe Annett,

      herzlichen Dank für dein Feedback. Ganz sicher wird am Ende auch ein wehmütiger Schmerz dabei sein – natürlich! Aber ich werde hier ein Abschiedsritual für mich gestalten, wie ich das Haus und die Vergangenheit loslasse, so dass ich voller Freude an all das zurückdenken kann.

      Und auf die neue Wohnung inkl. aller neuer Routinen freue ich mich schon sehr! Erst heute Abend habe ich ein Yogastudio ausprobiert, das nur 4 Gehminuten von meinem neuen Zuhause entfernt ist – und es war wie ein Heimkommen! Weil ich so lange nach einem Ort ganz in der Nähe gesucht habe, an dem ich wieder Yoga praktizieren kann- und nun war der Blick frei, mich eben dort in der Nähe umzusehen! Das Studio ist ganz phantastisch, die Räume traumhaft schön- ich freu mich so sehr, mich zukünftig von daheim aus dorthin auf den Weg zu machen. So langsam wird eine um die andere gute Gewohnheit auf den Weg gebracht. Um dann mein neues Leben dort zu leben.

      Mitnehmen werde ich euch sehr gerne, danke dir!!!

      Alles Liebe
      Petra

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