Heute geht es weiter mit dem 2. Teil unserer Berlin-Reise über die Pfingsttage. In Teil 1 habe ich schon über Folgendes berichtet:
- Treppenhäuser
- Cafés
- Ausstellungen
Hier geht’s zum 1. Teil des Berlinberichtes, falls du ihn verpasst haben solltest.
Teil 2 befasst sich mit diesen Punkten unserer Reise:
- Märkte
- Graffitis
- Sonstiges
Und nun? Bereit für weiteren Berlin-Spam?

Märkte
Ich liebe Flohmärkte! Immer, wenn sich die Möglichkeit ergibt, einen Flohmarkt zu besuchen, ergreife ich sie. Und zwar gar nicht, um etwas zu kaufen, sondern einfach um zu bummeln. Um zu sehen, welche Schätze die Verkäufer feilbieten, und auch: um zu sehen, was ich alles nicht brauche. Ich mag das bunte Treiben auf diesen Märkten, das Angebot und das Flair dort sehr. In Berlin waren wir nun auf zwei Flohmärkten, einmal am Boxhagener Platz, einmal auf dem RAW-Gelände.
Der Boxhagener Platz befindet sich in Friedrichshain. Der von den Berlinern liebevoll genannte Boxi ist DER zentrale Treffpunkt im Kiez mit Spielplatz, Erholungswiese und Marktplatz. Hier trifft man sich. Zahlreiche kleine Geschäfte, tolle Locations, wunderbare Cafés laden hier zum Verweilen ein. Und eben der regelmäßig stattfindende Flohmarkt am Sonntag. Super besucht, tolle Stände, ausgewählte Musik und exklusive Ware findet man hier neben allerlei Trödel, den ich so ähnlich auch schon in manchen Kellern bei Aufräumcoachings gesehen habe. Da ist es wohl egal, ob man in Berlin oder Nürnberg ist – es sammeln sich überall zu viele Dinge an, oder? Die werden lustigerweise auch kaum gekauft (warum auch, hat ja jeder selbst in den Kellern und auf Dachböden stehen). Aber die hippen Berliner haben noch so viel mehr zu bieten! Der ganze Besuch dort ist ein reines Fest der Sinne! Die Verkäufer selbst stehen durchgestylt und sehr ansehnlich mit einem Glas Prosecco in Gruppen da, coole Beats dröhnen aus den mitgebrachten Boxen, lässig wird sich mit Freunden unterhalten. Es gleicht eigentlich eher einem Club-Besuch, der zufällig am Flohmarkt stattfindet. So richtig angeboten wird die mitgebrachte Ware auch nicht wirklich. Nach dem Motto: „Schau gerne, was ich zu bieten habe, wenn du dich interessierst, darfst du mich beim Quatschen stören, ansonsten geh‘ einfach weiter und erfreu dich an meinen Sachen“. Das klingt viel negativer, als ich es empfunden habe. Es macht einfach Spaß, entlang der Stände zu bummeln, die Menschen zu beobachten, ihren Style zu bewundern, hier und da wird natürlich auch einmal etwas gekauft.
Ich glaube, dass der Flohmarkt am Boxi eher ein netter Zeitvertreib für alle in der Gegend wohnenden Menschen ist. Hier sieht man sich, überall gibt es ein großes Hallo, dazwischen Kaffeestände…
Sehr toller Markt, über den wir lange geschlendert sind (natürlich ohne etwas zu kaufen, schließlich brauchten wir ja nichts). Die eine oder andere teure Designer-Lampe, ausgefallene Spiegel oder moderne Kunst hätten mich schon interessiert, da wir aber mit dem Rad unterwegs waren, kam eh nichts in Frage. Aber Flohmarkt-Vibes gehen auch ohne kaufen, findest du nicht auch?







Den zweiten Flohmarkt, den wir an diesem Tag noch besucht haben, befindet sich auf dem RAW-Gelände, das sich ebenfalls im Ortsteil Friedrichshain / Kreuzberg befindet. RAW, das in diesem Fall für Reichsausbesserungswerk steht, ist ein Kultur-, Sport- und Veranstaltungsgelände und dient heute als soziokulturelles Zentrum in Berlin. Man findet dort zum Beispiel eine Skaterhalle, eine Kletterhalle, Konzert-Locations, Ateliers, Galerien, Clubs und gastronomische Betriebe. Außerdem gibt es eine Karaoke-Telefonzelle (neben der wir beim ersten Besuch im letzten Jahr staunend standen und versucht haben, das Lied, das gesungen wurde, vergeblich zu erraten) und Graffitis, soweit das Auge reicht. Wir waren im letzten Jahr vom Gelände so schwer begeistert, dass wir unbedingt wiederkommen wollten.
Als wir nun erfahren haben, dass es am RAW- Gelände einen Flohmarkt geben sollte, sind wir spontan hin. Nach dem Boxi war es hier dann nicht ganz so eindrucksvoll, vielleicht waren wir aber auch schon durch ob der vielen angebotenen Gegenstände. Ich kann auf jeden Fall empfehlen, das RAW-Gelände für deinen ersten Besuch nicht mit einem Flohmarkt-Besuch zu verbinden, sondern einfach an einem ganz normalen Tag vorbeizuschauen und ganz viel Zeit mitzubringen.
Es ist ziemlich beeindruckend, wie viele unterschiedliche Gebäude, Geschäfte, Locations nebeneinander – gefühlt völlig willkürlich – platziert sind, verbunden durch die Menschen, die das Gelände durchqueren und die zahlreichen wundervollen, beeindruckenden Graffitis, die sich über alle Flächen verteilen.















Graffitis
Graffitis gibt es in Berlin zu Hauf. Ich bin gar nicht sicher, ob ich rückblickend überhaupt irgendeine Stelle in Berlin gesehen habe, an der kein Graffiti war. Als Touristin, die ich ja in dieser Zeit war, fand ich es sehr beeindruckend und wunderschön. Als Besitzerin eines Eigenheims hatte ich zwiegespaltene Gefühle dazu. Denn leider ist nicht jedes Graffiti wunderschön. Manche sind einfach hässlich, bestehen aus schrecklichen Schriftzügen oder sind unkenntlich, so dass man als Besitzer dieses Hauses vermutlich jeden Tag weint. Oder einfach aufgibt. Oder dankbar ist, falls es ein nicht ganz so hässliches Graffiti ist.
Beim Radeln fielen uns immer wieder die 1 UP – Graffitis auf, die über die ganze Stadt verteilt sind. 1UP steht für One United Power und beschreibt eine Crew aus Kreuzberg, die seit 2003 aktiv ist. Sie gelten als DIE bekanntesten Sprayer, bekannt für die meisten Bombings (das Anbringen einer großen Anzahl von Tags in einer Nacht), sowie Dachmalereien und Ganzwagen- und Ganzzug-Kunstwerke. In der Urban Spree Galerie gibt es hier auch eine Dauerausstellung dazu (sehr empfehlenswert!). Auf der Webseite von Urban Nation habe ich diese Beschreibung über die Crew von 1UP gefunden, die ich sehr passend und gut erklärt finde: „ …geheimnisvolle Gruppe von Berliner Graffitikünstlern. Weder die exakte Anzahl, noch das Alter oder der Bildungshintergrund der Mitglieder ist bekannt. Was allerdings bekannt ist, ist die – mit menschlichen Maßstäben gemessen – unerklärlich große Menge ihrer Kunstwerke. Ihre Werke zieren tausende Wände in Berlin und anderswo. So wird das Entdecken der Stadt plötzlich zu einer künstlerisch aufgeladenen Handlung. Aus diesem Grund ist die Kunst von 1UP so ein authentisches, urbanes Erlebnis. Ein Eindruck, der durch die bewusst unbewusste politische Message ihrer Kunst – nämlich die Frage, wem die Stadt gehört –, verstärkt wird …“


Doch nicht nur Graffitis von 1 UP (was übrigens auf Super Mario und 1 Level UP zurückgeführt wird) sind uns aufgefallen, sondern 1000 weitere Wandmalereien.
Und plötzlich wurde tatsächlich die ganze Stadt zu einem Kunstwerk. Denn wenn man einmal den Blick bzw. den Fokus auf etwas Bestimmtes richtet, sieht man es plötzlich überall.









Sonstiges
Unter Sonstiges würde ich jetzt alles andere, was ich bei unserem Aufenthalt in Berlin bemerkenswert fand, auflisten (und auch hier nur die bemerkenswertesten Sachen, sonst würde es tatsächlich ein kleiner Berlinguide an Kuriositäten werden) 🙂
Strandbad Wannsee: Wir sind an einem Dienstag hierher geradelt und haben uns den ganzen Tag Zeit genommen, um mit Buch und Badehose zu verweilen, zu baden, leckere Pommes zu essen und einfach einen entspannten Tag zu haben.



Hinterhof-Oasen: Immer wieder sind wir ganz spontan (oft so spontan, dass mein Mitfahrer ein Stück entlang der Straße weitergefahren ist, bevor er meinen Verlust entdeckt hat 🙂 ) von der Straße abgefahren und in einen Hinterhof eingebogen, oft durch mehrere Torbögen und Höfe weiter in verzweigte Hinterhöfe durchgefahren, um uns die grünen Oasen anzusehen. Tolle Gebäude, zum Teil Galerien, zum Teil Werkstätten, jedoch immer hippe Menschen, die dort in einer schicken Hinterhaus-Wohnung leben.






Markthalle 9: Ein Ort für Produktion und Bildung, Knotenpunkt für Handwerk und Kultur. Treffpunkt für Viele – im historischen Denkmal in Berlin-Kreuzberg. Vor allem sehr viele kleine Gastrostände, an denen man fein schnabulieren kann. Eine große Halle, die einladend und urban wirkt. Im Eingangsbereich, ein sehr nettes Café, in dem man herrlich in der Sonne sitzen und die Besucher beobachten kann.









Holzmarkt: Der Holzmarkt 25 ist laut Website „ein kreatives Stadtquartier im Herzen Berlins. Eine ehemalige Brache am Spreeufer, die durch nutzergetriebene Stadtentwicklung transformiert wurde. Auf 12.000 Quadratmetern gibt es hier Raum für Kultur, Events, kreatives Schaffen und jede Menge Stadtnatur.“ Wir empfanden das Areal wie in ein Abtauchen in eine andere Welt. Gefühl war es hinter einer Bretterwand, und plötzlich betrat man ein Stück Oase mitten in der Stadt. Gelegen, an der Spree, zahlreich kleine Bänke und Plätze, auf denen besuchtem ihre mitgebrachten Sachen verspeist oder sich die Cocktails, Kaffee und Kuchen schmecken ließen und einfach in den Tag hinein lebten. Nach einem kleinen Rundgang dort haben wir uns ebenfalls mit Kuchen und Iced Latte versorgt und uns auf ein Bänkchen ans Ufer gesetzt und auf den Fluss geschaut. Später gab es dann noch ein Weinschörlchen zu unseren mitgebrachten Büchern. Beim nächsten Mal würde ich auf jeden Fall mehr Zeit mitbringen, um mir frühzeitiger, einen guten Platz zu sichern, ein kleines Picknick mitzubringen, der Musik zu lauschen und einen wunderschönen Tag zu verbringen.














Aufkleber: Neben Graffitis gab es außerdem sehr viele Aufkleber, die überall an den Säulen, an den Laternen- und Ampelpfosten verklebt waren. Vor allem vor den Museen und Galerien waren die Pfosten zu bestaunen, die oft mit den gleichen Aufklebern in unterschiedlichsten Farben versehen waren (jeder Öffnungstag hat vermutlich eine eigene Farbe). Auch wir mussten natürlich nach dem Besuch dort unseren Aufkleber verewigen. Neben den Graffitis fand ich diese tatsächlich sehr beeindruckend, zum Teil war für mich oft nicht zu erkennen, ob es sich um eine Spraykunst oder einen Aufkleber handelte.






Vermutlich könnte ich hier noch 1000 weitere interessante Dinge auflisten und viele weitere wunderschöne Fotos zeigen, um von unserem Berlin-Aufenthalt zu berichten. Die Stadt beeindruckt mich sehr, wie du vermutlich aus den Zeilen und Bildern schon herausgelesen hast. Ich liebe das Flair, die unterschiedlichen Stadtviertel, die – jedes für sich – eine kleine Stadt für sich sind, so dass die ganze Stadt dann doch nicht mehr ganz so riesig erscheint.
Neben all dem bunten Treiben ist es jedoch an manchen Ecken auch einfach unglaublich schmutzig, viele Glasscherben zieren die (Rad-)Wege, Müll liegt achtlos hingeworfen auf dem Boden oder neben Mülleimern. Viele bettelnde Personen sind uns begegnet. An einem Abend, als wir italienisch essen waren, kamen in circa 3 Stunden sage und schreibe sieben Personen vorbei, um (zum Teil sehr nett), um Geld zu betteln. Arm und reich liegen in Berlin wirklich sehr nah beieinander. Prunkvolle Häuser stehen Schulter an Schulter mit heruntergekommenen, abreißwürdigen Buden. Jede und jeder darf so sein wie er und sie möchte, keiner wird begutachtet oder schief angeguckt, wie er aussieht, jeder darf einfach sein und leben.
Berlin, du hast mich und ich habe dich in meinem Herzen!
Jetzt bin ich natürlich gespannt, wie dir Berlin gefällt und ob du vielleicht den ein oder anderen hier beschriebenen Ort kennst und/oder noch weitere Tipps für unseren nächsten Aufenthalt im Sommer für mich hast!
Deine Petra






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