Zum Beginn des Jahres durfte ich einen kleinen Beitrag für Christof Herrmann von einfachbewusst.de schreiben, der dann in seinem Round-up-Post mit 18 weiteren Bloggerinnen und Bloggern veröffentlicht wurde. Falls du dich für Minimalismus und ein bewusstes Leben interessierst, kann ich dir Christofs Blog und sein Buch von Herzen empfehlen. Einer der Newsletter, den ich immer mit sehr großer Begeisterung lese. Es gibt noch ein paar weitere Blogger:innen, deren Newsletter ich abonniert habe, dazu wann anders mehr.
Im heutigen Blogartikel möchte ich dich mitnehmen in meinen Beitrag für Christof, in dem es um das Thema Zeitwohlstand geht. Ich habe sofort gewusst, was ich schreiben möchte, als die Anfrage von Christof kam. Ich sollte meinen persönlichen Tipp beschreiben, wie ich Zeitwohlstand konkret lebe und gestalte. Meinen Tipp (Thema Dankbarkeit und mein persönliches Dankbarkeitsbuch) und all die anderen tollen Beiträge findest du hier: Mehr Zeit für das Wesentliche – 19 Blogger*innen und Coaches geben Impulse zu Zeitwohlstand
Beim Durchlesen all der anderen Tipps im Blogartikel war ich sehr dankbar. Wie schön, was für eine Fülle an guten Tipps wir uns jeden Tag aus zahlreichen Quellen (Internet, Social Media, Podcasts, natürlich Büchern, allen voran sogar Büchern, aber auch Videos uvm.) ziehen können. An der Fülle mangelt es vermutlich keinem, eher im Gegenteil, oder? Es gibt ja schon all das Wissen da draußen, die Kunst des Lebens liegt meiner Meinung nach darin, dieses Wissen auch anzuwenden. Und v.a. zu selektieren, welches Wissen ich für mich ganz persönlich anwenden mag und was aber auch nicht. Nicht jede Theorie ist in der Praxis für jeden geeignet, jeder hat andere Lebensumstände, andere Vorstellungen von Glück, andere Wünsche und Ziele. Sich hier also genau das für sich Passende rauszuziehen, ist schon eine Kunst, die ich – ehrlich gesagt – auch noch nicht final erlernt habe. Das ist wohl eine Lebensaufgabe. Unter all dem Vorhandenem das für mich Wichtige herauszufischen und dann, ja dann, auch noch umzusetzen! Das bietet noch viel Stoff zum Schreiben, ich seh’s schon 😉
Doch auf was ich heute eigentlich raus will, ist das Thema Dankbarkeitsbüchlein. Seit nunmehr 10 Jahren schreibe ich beinahe täglich abends vor dem Schlafengehen in mein kleines Dankbarkeitsbüchlein. Hier siehst du ein paar Fotos der gesammelten Werke.


Ich bin ja groß im Ausmisten, habe schon so einige Dinge entsorgt, die ich nicht mehr brauche. Diese Büchlein, so könnte man meinen, brauche ich auch nicht wirklich. Aber weit gefehlt. Doch vielleicht solltest du zuerst wissen, was hier eigentlich genau passiert jeden Abend.
Mein Abendritual
Wenn ich abends ins Bett gehe, hole ich mein Dankbarkeitsbüchlein aus der Nachttischschublade. Dort liegt ein kleiner, DIN A 6 – großer Jahreskalender und mein Stift. Schon im Bad überlege ich mir, was ich gleich in den Kalender schreibe. D.h. ich gehe meinen Tag gedanklich noch einmal durch, bleibe (oft lächelnd) an bestimmten Momenten hängen und weiß, dass sie perfekt für mein Dankbarkeitsbüchlein sind.
Das begann vor 10 Jahren (ich hatte mich 2016 von meinem Exmann getrennt, was gar nicht so schön war). Ich habe begonnen, so einen Kalender zu führen und mich abends an die schönen Situationen und Begebenheiten des Tages zu erinnern. Weil es wirklich nicht nur schöne Momente gab, eher im Gegenteil. Die Nachwirkungen der Trennung, die Pflege meiner kranken Mama, ein neuer Job, eine neue Umgebung, das Mich-Kümmern um meinen Sohn, der hier auch ein ganz neues Leben beginnen musste. Und gerade da war das Büchlein mein Anker. Und dieser bewies, dass es in all dem Sch… dennoch gute Momente gab. Durch das Notieren und den Anspruch an mich, mindestens 5 mir erinnernswerte Momente, für die ich heute dankbar war, dort reinzuschreiben, ging ich plötzlich mit einem anderen Blick durchs Leben. Ob es da begann oder ob ich schon vorher so positiv eingestimmt war, kann ich rückblickend nicht mehr genau beantworten. Das wäre dann wohl die Henne-Ei- Frage.
Jedenfalls gab es immer etwas zu notieren. Ich war und bin hier auch recht anspruchslos – im positiven Sinne – was ich als positiven Moment, für den ich dankbar bin, notiere. Das kann alles sein, beginnend vom guten Schlaf, leckeren Frühstück, Lächeln meines Sohnes beim Frühstück, Zwitschern der Vögel, Sonne am Morgen, erfrischendes Radeln in die Arbeit, Schnurren der Katze, die ich hereinlasse, Kaffee mit den Kolleginnen, tolle Dienstreise, ein liebes Wort mit dem Liebsten, ein spontaner Ausflug, ein tolles Buch, Zeit für mch, Zeit mit Lieblingsmenschen, ein schöner Kinofilm, leckeres Essen, Kaffee und Kuchen im Café, Schreiben, Erledigung einiger wichtiger Punkte der To Do – Liste… Ich könnte stundenlang weitere Punkte auflisten, denn genau die füllen meine inzwischen 11 Bücher mit prallem Leben. Ist es anfangs vielleicht noch schwerer gefallen, positive Momente, für die ich dankbar bin, zu finden, so ist es mir inzwischen zu einer positiven Routine geworden, für diese Momente auch im Alltag, genau dann, wann sie passieren, dankbar zu sein. Ich würde sagen, dass diese Bücher einen Großteil dazu beigetragen haben, dass ich mich heute als resilient bezeichne und auch fühle. Zum Thema Resilienz habe ich hier schon einmal etwas geschrieben: Wenn das Leben dich prüft – wie ich unbemerkt resilient wurde.
Auch im Kalender 2022, als meine Schwester verstarb, stehen positive Dinge. Ja, zugegeben – da fiel es mir nicht allzu leicht, was die Untertreibung des Jahrhunderts sein dürfte – aber mein Anspruch, etwas, nämlich mindestens fünf Dinge zu notieren, lässt mich sehr achtsam sein. Achtsam ob der kleinen Dinge, die jeden Tag passieren.
Es sind die kleinen Dinge, die die Welt vergrößern
Gottfried Keller
Denn sind nicht diese kleinen und feinen Momente, in Summe gesehen, unser Leben? Wie gesagt, es waren eigentlich nie nur fünf Momente, aber mir diese Challenge aufzuerlegen, eben mindestens fünf zu finden, treibt mich scheinbar an. Ein Mindestmaß zu erfüllen, um mich mit etwas mehr selbst zu belohnen. Klingt fast ein bisschen wie Selbstbetrug, oder? Kann schon sein, aber der Zweck heiligt die Mittel, finde ich.
Lustigerweise hat es sich so ergeben, dass diese Kalender inzwischen so etwas wie mein Tagebuch darstellen, in denen ich ganz oft nachsehe, wenn mein Freund und ich uns an etwas erinnern wollen. Denn wenn wir uns erinnern wollen, was an einem bestimmten Tag passiert ist, steht es zu 100% darin. Somit konnten wir schon so manchen Gedanken dadurch bestätigen und vervollständigen.
Vielleicht denkst du jetzt, dass ein Tagebuch aber doch alles abbilden sollte? Hm, stimmt schon. Jedoch sehe ich das in diesem Fall etwas anders. Da es ja eben kein Tagebuch ist sondern nur eine Kollateralfolge davon ist, bildet es eben nur die schönen Dinge ab. Ganz ehrlich, wie masochistisch sollte man auch sein, sich bewusst an die negativen Dinge erinnern zu wollen? Und bestimmte Situationen (Tod, Verlust, was auch immer Negatives passiert ist), vergisst man ja eh nicht, oder? Genau. Deshalb: Fokus on the Good.
Und die Folge des Führens meines Dankbarkeits(tage)büchleins ist eben die, dass ich mit dem Bewusstsein, abends etwas Schönes dorthin reinzuschreiben, schon mit diesem positiven Blick in den Tag starte. Mir gedanklich in bestimmten Momenten eine Notiz mache, das ich das abends in den Kalender schreibe. Da war sie wieder, die Henne-Ei-Frage (die sollte wirklich mal einer klären, oder? Spannend wäre das allemal).
Für mich also eine Win-Win-Routine, mit der ich gut einschlafe, weil ich mich
- vor dem Schlafen noch einmal an gute Situationen erinnere und mit diesem positiven Gefühl einschlafe (egal, wie viele blöde Dinge heute auch immer passiert sein mögen)
- auf den Tag freue und wie ein Trüffelschwein auf positive Momente für das Dankbarkeitsbüchlein achte, die da, überraschenderweise, zu Hauf auf der Straße liegen, wenn man die Augen und das Herz dafür offen hält.
Was sagst du? Bist du auch ein Fan von so einem Büchlein? Führst du auch eins? Und wenn nicht, vielleicht bist du ja nun etwas inspiriert… Übrigens, falls die inneren Schweinehunde schreien sollten: Das dauert vermutlich ca. 2 Minuten, sollte also nicht die Ausrede sein, es nicht zu tun, weil man dann ja soooo müde ist. Bin ich auch, aber wenn ich es abends nicht ausfülle, fehlt einfach etwas. Nämlich das gute Gefühl. Und wenn ich im Urlaub oder über Nacht woanders bin, hole ich das eben am nächst möglichen Abend nach. Auch das ist eine Art von Meditation für mich: mich an diese Perlen noch einmal zu erinnern. Und wirklich: ein Lächeln ist immer garantiert. Kann man denn besser einschlafen? Eben!
Viele dankbare Grüße für dich, wenn du das hier gelesen hast!
Petra






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